Die Besprechung am 20. Januar 1942 dauerte nicht lange, sie hatte einen einzigen Tagesordnungspunkt, die so genannte Endlösung der Judenfrage. In der Einladung vom Chef des Reichssicherheitshauptamtes ist noch ein abschließendes Frühstück vermerkt. Als an jenem Dienstag ranghohe Vertreter von SS und Ministerialbürokratie am Großen Wannsee zusammentrafen, besprachen sie den Tod von elf Millionen Menschen.
Das erhaltene Ergebnisprotokoll ist ein Schlüsseldokument der Verfolgung und Ermordung der Juden Europas; es zeigt den Weg von der beginnenden Entrechtung bis zu abschließenden „Lösungsmöglichkeiten“.
Das Protokoll und der Umgang mit diesem Dokument ist einer der beiden Ausgangspunkte für ein Dokumentar-Theater-Projekt, das im Januar 2012 in der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz zur Uraufführung kam. Den anderen Ausgangspunkt für dieses Projekt bilden die 15 Konferenzteilnehmer selbst. Damit verbunden ist die Idee, dass ihre Biographien und Funktionen durch 15 Historiker erforscht werden – und diese Historiker dann als deren Spezialisten auf 15 Stühlen Platz nehmen. Die in einem zweimonatigen Probenprozess entstandene Spielfassung wird also auch von den Historikern selbst aufgeführt. In der Inszenierung blicken Wissenschaftler von heute auf das historische Dokument; es sind immer die Menschen von 2012, die auf die Menschen von 1942 blicken. Das Protokoll wird dazu aufgebrochen, befragt, kommentiert, vorgeführt – in einem gleichermaßen wissenschaftlichen wie künstlerischen Prozess.