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10 JAHRE HISTORIKERLABOR

Alles begann vor 10 Jahren...
 
Das Historikerlabor hat in den vergangenen Jahren insgesamt sechs Projekte zu Themen in der neuesten Zeitgeschichte produziert, über die wir sowohl auf unserer Website im Rahmen einer Jubiläumsseite, auf Facebook und Instagram berichten werden.
 
Projekt "Die Wannsee-Konferenz", Foto: Philipp von Breitenbach

Foto: Philipp von Breitenbach

 

22. Januar 2012

Das Dokumentartheaterstück "Die Wannsee-Konferenz" wird am historischen Ort, der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, uraufgeführt.

 

Ausgangspunkt des Projektes ist das erhaltene 15-seitige Ergebnisprotokoll der am 20. Januar 1942 durchgeführten Konferenz. Hierfür wurden die Biografien der 15 Konferenzteilnehmer erarbeitet und in den zeitgenössischen arbeitsteiligen Kontext gestellt.

 

Ein didaktisches Experiment, in dem aus dem Ergebnisprotokoll zitiert wird, flankiert durch weitere historische Quellen und Kommentare; Historiker, die zuvor recherchiert haben, stehen selbst auf der Bühne, präsentieren ihre Ergebnisse einem Publikum.

Bei dieser Konferenz vom 20. Januar 1942 handelte es sich um eine etwa 90-minütige Staatssekretärsbesprechung, die das Ziel hatte, die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden in Form eines arbeitsteiligen Prozesses verschiedener politischer Ressorts zu systematisieren.

 

Projekt "Die Hungerplan-Konferenz", Foto: Ernst Kaczynski

Foto: Ernst Kaczynski

 

2. Mai 2014

Das Dokumentartheaterstück "Die Hungerplan-Konferenz" wird im Kapitulationssaal im Deutsch-Russischen Museum uraufgeführt.
 
Am 2. Mai 1941 trafen sich deutsche Militärs und Staatssekretäre in Berlin zu einer Besprechung. Ziel war die wirtschaftliche Ausbeutung während des Vernichtungskrieges der Wehrmacht auf die Sowjetunion. Eine Protokollnotiz dokumentiert, dass dabei der Tod von „zig Millionen Menschen“ in Kauf genommen wurde, damit sich die Wehrmacht aus dem besetzten Land ernähren kann. Die sowjetische Industrie sollte zerschlagen werden, Rohstoffe und Agrarprodukte wurden an die Wehrmacht und ins Deutsche Reich geliefert.
 
Erneut dient eine Protokollnotiz als Grundlage für das Stück. Flankiert durch historische Quellen und Kommentare, werden die Biografien der historischen Akteure aus Militär und Staatssekretären in den historischen Kontext gestellt. Einen Schwerpunkt bilden die Opfer dieser Hungerpolitik. Neben Textzeugnissen von sowjetischen Kriegsgefangenen sind auch Texte der Bevölkerung des belagerten Leningrads als auch noch lebende Zeitzeugen aus dem heutigen St. Petersburg, aus Minsk und Kiew integraler Teil dieses Dokumentartheaterstücks.

 

Projekt "Zur Endlösung der zigeunerfrage", Foto: Franziska Senkel

Foto: Franziska Senkel

 

20. Februar 2015

Das Dokumentartheaterstück "Zur Endlösung der Zigeunerfrage - Ein fiktives Symposium, 16. Dezember 1942“ wird im Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte uraufgeführt.

 

Mit diesem wissenschaftlich-künstlerischen Projekt vollendet das Historikerlabor seine Trilogie „Die Erfindung und Vernichtung des Untermenschen“. Der organisierte Mord an Juden, Slawen, Sinti und Roma durch NS-Deutschland. Lokalen Schwerpunkt bildet Berlin-Dahlem, das „deutsche Oxford“ mit dem Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik (Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft) und der Rassenhygienischen Forschungsstelle (Reichsgesundheitsamt).

 

Das Symposium am 16. Dezember 1942 ist fiktiv, ermöglicht aber den Blick auf die internationale Wissenschaftsgeschichte: Wissenschaftler:innen aus den europäischen Nachbarländern berichten über die eigene biologistische Forschung und Politik, die „minderwertiges Leben“ und „geborene Verbrecher“ kennzeichnet und diese als „Parasiten“ aus einem „gesunden Volkskörper“ ausscheiden will. Zu den Wissenschaftler:innen gesellen sich Praktiker des Massenmords: 1942 hatte der Genozid an den Sinti und Roma bereits begonnen, in deutschen Konzentrationslagern, hinter der Ostfront.

Während dieses Symposiums wird das Publikum direkt angesprochen, direkt konfrontiert, teils auch mit der Gegenwart. Während die Historiker:innen erneut Täterbiografien vorstellen, rücken Jugendliche die Perspektive der Sinti und Roma stärker in den Vordergrund.

 

Projekt "Zur Endlösung der Zigeunerfrage", Foto: Foto: André Wunstorf

Foto: André Wunstorf

 

2015

Das Projekt "Zur Endlösung der Zigeunerfrage" - Ein fiktives Symposium, 16. Dezember 1942 wird mit dem Hans-Frankenthal-Preis der Stiftung Ausschwitz-Komitee ausgezeichnet.

 

Projekt "Der nützliche Mensch", Foto: Katharina Klemm

 

Foto: Katharina Klemm

 

25. November 2017

Das Dokumentartheaterstück "Der nützliche Mensch – Von der Dialektik des Vernichtens und des Heilens" wird im Hörsaal der Hautklinik der Charité uraufgeführt.

 

Das vierte Projekt thematisiert den Wert des menschlichen Lebens in der Zeit der NS-Diktatur ein, als die Einhaltung ethisch-medizinischer Normen im Umgang mit den Patienten von ihrer "rassischen" Kategorisierung und Bewertung sowie der „Nützlichkeit“ des Menschen abhing.

 

Was vorgetragen und gespielt wird, stammt aus historischen Quellen, aus Aktennotizen, Briefen, Erinnerungen, flankiert von Kommentaren. Transparent werden personelle wie institutionelle Verflechtungen im Kontext der historischen Strukturen.

 

Zu diesem Projekt gibt es auch einen Trailer!

 

Hier geht es zu unserer Videoübersicht.

 

Projekt "Wende einer Chronik", Foto: Matthias Stange

Foto: Matthias Stange

 

29. November 2019

Das Dokumentartheaterstück „Wende einer Chronik 1989/90“ wird in der ehemaligen Stasi-Zentrale, dem heutigen Campus für Demokratie Berlin, uraufgeführt.
 
Am historischen Ort werfen neu zusammengestellte und kommentierte Quellen aus dem Stasi-Unterlagen-Archiv, dem Archiv der DDR-Opposition, dem Bundesarchiv sowie aus west- und ostdeutschen Medien Licht auf aktuell diskutierte Themen, auf die Transformationsprozesse und Akteur:innen der »Wende«.
 
Das Tempo, das 1989/90 vorgelegt wurde, führte auf politischer Ebene zu schnellen, teilweise unreflektierten Entscheidungen.
 
Die diversen, vormals sehr aktiven und progressiven Oppositionsgruppen rückten zunehmend in den Hintergrund, alternative Ideen für eine Wiedervereinigung auf Augenhöhe wurden kaum gehört, sodass auf die Euphorie eine »Katerstimmung« folgte.
 
Zu diesem Projekt gibt es auch einen Trailer!
 

 

Projekt "Siemensstadt und John Rabe", Foto: Thomas Aurin
Foto: Thomas Aurin
 

2. Oktober 2021

Der erste performative Stadtspaziergang „Siemensstadt und John Rabe“ wird in Siemensstadt umgesetzt.
 
Wie ist die Biografie John Rabes mit dem Aufstieg des Siemens- Konzerns verbunden? Im Vorfeld zur Uraufführung von Mayako Kubos Komposition „John Rabe – Endstation Siemensstadt“ in der Zitadelle Spandau lädt das Historikerlabor zu einem performativen Stadtspaziergang im aktuell entwicklungsfreudigsten Stadtteil Berlins: SIEMENSSTADT.
 
Die spielerische Entdeckertour mit sportlichen Einlagen, Gesprächen, Musik und
elektrischen Experimenten gibt anschauliche Einblicke in die Planung dieses Stadtteils, in die Entstehung des Weltkonzerns und in die Biografie des „Guten Deutschen von Nanking“.
Projekt "John Rabe - Endstation Siemensstadt", Foto: Thomas Aurin

Foto: Thomas Aurin

 

15. Oktober 2021

Die erste Konzertperfomance „John Rabe – Endstation Siemensstadt“ wird in der Zitadelle Spandau uraufgeführt.

Menschenretter und Held auf der einen, Mitglied der NSDAP und trauriger Kriegsverlierer auf der anderen Seite.

 

Die in Berlin lebende japanische Komponistin Mayako Kubo trägt schon lange den Gedanken, die ambivalente Persönlichkeit John Rabes künstlerisch auszuleuchten. Für das modern art ensemble hat sie unter dem Titel „John Rabe – Endstation Siemensstadt“ eine Szenenfolge nach Tagebuchaufzeichnungen entwickelt, die der Person John Rabes nachspürt.

 

Das Historikerlabor e.V. schafft den Rahmen für die historischen Fakten und Quellen um die widersprüchlichen Lebensumstände dieses Spandauers. Eine musikalisch- dokumentarische Spurensuche.