Das Dokumentartheater „Der nützliche Mensch“ thematisiert den Wert des menschlichen Lebens in der Zeit der NS-Diktatur, als die Einhaltung ethisch-medizinischer Normen im Umgang mit den Patienten von ihrer "rassischen" Kategorisierung und Bewertung sowie der „Nützlichkeit“ des Menschen abhing.
Gemeinsam mit der Regisseurin KATHARINA KLEMM präsentiert das HISTORIKERLABOR ein Stück über die ethischen Fragen um den Wert des Menschen, die aktuell an Relevanz kaum zu überschätzen sind. Nicht zuletzt behandelt das Stück die unheilvolle Allianz zwischen Wissenschaft und Ideologie am historischen Ort der Charité.
Dabei begreift und zeigt das HISTORIKERLABOR Kunst und Wissenschaft als Einheit. Es bedient sich hier eines praxeologischen Ansatzes: Ärzte*innen, Historiker*innen, Menschen stehen auf der Bühne, werden zitiert und zitieren gleichermaßen. Was vorgetragen und gespielt wird, stammt aus historischen Quellen, aus Aktennotizen, Briefen, Erinnerungen, flankiert von Kommentaren. Es entsteht eine quellenkritische Collage als Ergebnis eines Forschungsprozesses, ein Experiment, das die Werkzeuge der Performanzhistoriker*innen als „Quellenkritik live“ auf der Bühne anwendet. Die gesprochenen Quellen gewinnen eine neue Plastizität und Emotionalität, machen Motivationen und Handlungsweisen der historischen Akteure für das Publikum nicht nur verständlich, sondern auch erfahrbar. Transparent werden personelle wie institutionelle Verflechtungen im Kontext der historischen Strukturen. Als Bühne dienen authentische Schauplätze, die selbst besondere Orte geschichtlichen Handelns waren.
"Der nützliche Mensch" ist das nunmehr vierte Dokumentartheater des Labors. Es wurde in Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin an der Charité Berlin erarbeitet.